Was den Healthcare-Markt bewegt: Transformative Technologien und Regulatorik prägen den M&A-Markt

Magnus Höfer (Partner) und Christoph Osterbrink (Partner) geben eine selektive Rückschau über Deals des vergangenen Jahres und die wichtigsten Treiber, die den Markt auch zukünftig beschäftigen werden.

Sektor Analyse Pharma/Biotech/Specialty

Rückschau 2019

Auf globaler Ebene war das Jahr 2019 vor allem durch den Zusammenschluss von Allergan / AbbVie und Celgene / BMS geprägt. Auch wenn der Deal vom Closing her nicht mehr zu 2019 gehört: Anfang dieses Jahres hat der Private Equity-Investor Ardian nach gut sieben Jahren seine Anteile der Greifswalder Riemser Pharma an die spanische Esteve-Gruppe verkauft, die damit ihre Position als Spezialarzneimittelhersteller weiter ausbaut.

Eine Sonderstellung nahmen sicherlich die regen Aktivitäten im Cannabis-Sektor ein, die auch in der DACH Region ihren Niederschlag fanden: Bionorica hat ihr Cannabis-Geschäft C3 für den Rekordpreis von EUR 225,9 Mio. an den kanadischen Hersteller Canopy verkauft (das entspricht rund dem 8-fachen Umsatz). Auch andere kanadische Player haben in Deutschland zugekauft: u.a. Aurora / Pedanios, Aphria / CC-Pharma, Agraflora / Farmako.

Während CC-Pharma in Richtung Cannabis diversifiziert, hat die dänische Orifarm den Spezialanbieter Pilatus übernommen, der als Dienstleister im Bereich klinische Studien Niederlassungen in UK, Deutschland und den USA betreibt. (s.a. AES/Bioclinica) Equistone beteiligte sich mehrheitlich bei Omnicare, einem Spezialdienstleister und Großhändler rund um die Versorgung onkologischer Patienten.

Ausblick 2020

Wir erwarten auch für 2020, dass größere Pharmaunternehmen mittels sog. „Bolt-on“-Deals kleinerer/mittlerer Unternehmen ihre Wettbewerbsposition weiter ausbauen werden. Im Fokus der Therapiefelder werden insb. Onkologie und seltene Krankheiten stehen. Weitere selektive Konsolidierung erwarten wir im „reifen“ Generika-Markt sowie bei OTC- und Spezialanbietern (s.a. Übernahme der easypharm durch Neuraxpharm Anfang 2020).

Als Resultat der ersten Ausschreibung der Cannabis-Agentur wird ab 2020 Medizinal-Hanf auch aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen. Dies und weitere Faktoren werden den noch jungen Cannabis Markt weiter verändern.

Fortschritte in der Genomics-Forschung und patientenindividuelle Therapien sowie die immer höheren Anforderungen in der Regulatorik befördern den Dienstleistungsmarkt in diesem Bereich. Auch hier werden die Segmente zunehmend verschmelzen: Die ehemals reinen Dienstleister (CMOs, CROs) teilen sich die Risiken mit den forschenden Pharma- und Biotechunternehmen und beteiligen sich an Entwicklungsprogrammen.

Sektor Analyse Apotheke & Distribution

Rückschau 2019

Die Zur Rose-Gruppe konnte mit der Übernahme der Versandapotheke Medpex um EUR 170 Mio. ihre führende Stellung in Europa weiter ausbauen.

Um nicht allein den Online-Apotheken das Feld zu überlassen, kam es in Deutschland zur Gründung von Pro-AVO, einem Gemeinschaftsunternehmen der Pharmagroßhändler GEHE und Sanacorp sowie Noventi, BD Rowa und dem Wort & Bild Verlag. Auch in Österreich gab es Bewegung im Versandhandelsmarkt: Durch die Fusion mit Apobag konnte Vamida zur zweitgrößten Online-Apotheke aufsteigen.

Ausblick 2020

Im Hinblick auf die Einführung des e-Rezepts und die damit verbundene stärkere Steuerungsmöglichkeiten der Patientenströme, erwarten wir noch weitere Aktivitäten in diesem Bereich.
Die anhaltende Ertragsschwäche im deutschen Pharmahandel führte wiederum dazu, dass Gehe (McKesson) und Alliance Healthcare (Walgreens Boots Alliance) ankündigten, ihre Aktivitäten in Deutschland zu fusionieren.

Sektor Analyse Medizintechnik & Digital Health

Rückschau 2019

Große Konzerne treiben ihren strategischen Portfolioumbau konsequent voran wie z.B. folgende Übernahmen zeigen: 3M/Acelity, Dassault Systemes/Medidata Solution, Stryker/Wright Medical oder Siemens Healthineers/Corindus Vascular Robotics.

Die Aktivitäten in der DACH Region waren demgemäß eher verhalten. US-Hersteller Masimo ist bei VC-finanzierter TNI-Medical mit Sitz in Würzburg eingestiegen.

Bemerkenswert waren die strategischen Allianzen zwischen Krankenhausbetreibern und Medizingeräteherstellern – hier Sana Kliniken und Philips. In dieser Win-Win-Situation reduzieren
die Klinikbetreiber signifikant ihre Investitionen (positive Cash-Flow-Effekte) und die Medizingerätehersteller erschließen sich langfristige Absatzkanäle.

Bayer hat eine Partnerschaft mit dem britischen KI-Anbieter Sensyne geschlossen, um verbesserte Ergebnisse in der Krankheitsdiagnostik sowie der datengestützten Arzneimittelforschung zu erzielen.
Google hat zuletzt angekündigt, Fitbit für USD 2,1 Mrd. zu übernehmen.

Ansonsten gibt es im Technologiesektor viel Aktivität im Venture-Capital Umfeld: prominentestes Beispiel ist Doctolib, die mit einer Finanzierungsrunde von EUR 150 Mio. auf dem Weg zum Unicorn sind. Der österreichische Apotheker-Verlag übernimmt u.a. von Business Angel Hansi Hansmann (Runtastic) und Speedinvest die Mehrheit an der Wiener Diagnosia, einem Anbieter digitaler Medikamenteninformationen für medizinische Fachkreise.

Ausblick 2020

Die Einführung der neuen EU-Medizinprodukterichtlinie im Mai 2020 (auch wenn zuletzt tlw. verlängert bis 2024) führte bei vielen Herstellern zu Re-Klassifikationen und zu erhöhtem Aufwand und erhöhter Unsicherheit. Für die Zukunft rechnen wir wieder mit einer Zunahme der M&A Aktivitäten.

Wir erwarten, dass die strategischen Partnerschaften zwischen Medtech und Krankenhausbetreibern weiter zunehmen. Den Anfang machen sinnvollerweise kapitalintensive Segmente wie Radiologie. Diesem Bespiel werden sicherlich andere Hersteller bald folgen.

Treiber weiterer Akquisitionen sind Fortschritte in den Bereichen Robotics, Biosensorik (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI), da hierdurch die Effektivität, Adherenz und Abrechnung der Therapien verbessert werden.

Im Zeitalter knapper Pflegeressourcen und einer alternden Bevölkerung werden Telemedizin und mHealth Anwendungen helfen, den Zugang zur medizinischen Versorgung zu verbessern.
Deutliche Impulse für den Markt sehen wir durch das, im November in Kraft getretene, Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG), wodurch Ärzte demnächst Apps auf Rezept verordnen können.

Sektor Analyse Krankenhaus-, Reha- und Pflegebetreiber

Rückschau 2019

Den Krankenhaussektor belastete 2019 die regulatorischen Rahmenbedingungen bzgl. Pflege (Personaluntergrenzen, veränderte Pflegekostenerstattungen). Im privaten Sektor waren selektive Investitionen entlang der Wertschöpfungskette zu beobachten. So sicherte sich Asklepios Kliniken durch den Kauf von minddistrict die europäische Marktführerschaft im Bereich ehealth / mental health. Mitbewerber Rhön Kliniken hat ein Joint Venture medgate gegründet, um die weitere Digitalisierung des Sektors voranzutreiben. Dauertreiber im Sektor bleibt die zunehmende Ambulantisierung, d.h. der Zukauf von MVZ.

Mit finanzkräftiger Unterstützung von Private Equity-Investoren als auch Family Offices, hat sich der ambulante Sektor zunehmend als klassisches Buy-and-Build etabliert. So hat die Augenklinikkette Ober-Scharrer mit Nordic Capital einen neuen Gesellschafter gefunden, Verkäufer Palamon Capital hat das Investment mehr als verdreifacht. Auch andere Bereiche wie Zahnarztpraxen (Jacobs Holding / Family Office), Radiologie, Endokrinologie/Kinderwunschzentren sahen verstärkte Transaktionstätigkeit.

Im Bereich Reha und Pflege konnte man ähnliche Trends 2019 beobachten. Große nationale/internationale Betreiber wie Orpea, Korian, Deutsche Fachpflege etc. sind weiterhin aktiv als Käufer im Markt zu beobachten. Auch hier ist klassisches Buy-and-Build / Realisierung von Skaleneffekten das vorrangige Motiv.

Ausblick 2020

Die neuen regulatorischen Rahmenbedingungen werden zu Lasten der Margen gehen, da die Erlösseite durch die DRGs weitgehend determiniert sind. Dieses wird perspektivisch dazu führen, dass nicht kostendeckend arbeitende Träger weiter unter Druck kommen, sodass es weitere Konsolidierung geben dürfte.
Asklepios Kliniken hat bereits angekündigt, die Pattsituation beim Mitbewerber Rhön-Klinikum aufzulösen und gemeinsam mit Gründer Eugen Münch Anteile zu poolen und ein Angebot an die restlichen Aktionäre zu unterbreiten.

Buy-and-Build wird auch weiterhin der Treiber für Konsolidierung sein, wobei der privatwirtschaftliche Sektor immer mehr die etablierten Strukturen ersetzen wird. Getrieben durch den Anlagedruck der Finanzinvestoren, wird die bestehende Konsolidierung an Geschwindigkeit zunehmen. Vermutlich werden wir verstärkt auch internationale Spieler sehen, wie es im Labor/Diagnostikmarkt bereits sehr
erfolgreich praktiziert wurde.

Die Altersstruktur der Bevölkerung lässt erwarten, dass das Thema Pflege noch deutlicher in den Fokus von Investoren rückt. Differenzierung durch Pflegequalität bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung wird die Konsolidierung auch weiterhin befeuern. Zudem wird der Markt der häuslichen Pflege und Betreuung zunehmend professionalisiert.

Der Gesundheitssektor bleibt weiterhin ein attraktiver Wachstumsmarkt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen COVID-19 Krise wird der gesellschaftliche Wert eines funktionierenden Gesundheitssystems vor Augen geführt. Dies hat zur Folge, dass verstärkt öffentliche und private Gelder
in Forschung und Infrastruktur fließen und folglich auch M&A-Transaktionen induzieren. Darüber hinaus sind wir der Ansicht, dass nachfolgende Mega-Trends in den kommenden Jahren den Healthcare Sektor prägen werden:

  • Artificial Intelligence & Big Data
  • Telehealth bzw. -medizin
  • Personalisierte Medizin
  • Companion Diagnostics
  • Mental Health

Über Steinbeis M&A

Steinbeis M&A bietet den Kunden, über alle Branchen hinweg, ein umfangreiches und professionelles
Beratungs- bzw. Dienstleistungsspektrum in den Bereichen Mergers & Acquisitions, Buy-and-Build,
Strategy sowie Capital Advisory. Mandanten sind insbesondere mittelständische Unternehmer, Unternehmen und Unternehmensgruppen im In- und Ausland, aber auch internationale Konzerne, die sich auf dem Mittelstandsmarkt etablieren wollen. Aktuell sind 17 Partner bei Steinbeis M&A, die weit über 100 erfolgreiche Transaktionen in den letzten Jahren abgeschlossen haben.
Steinbeis M&A ist ein Unternehmen der Steinbeis-Gruppe (www.steinbeis.de), eines der führenden
Dienstleistungsunternehmen für Beratung und Technologietransfer in Europa.

Alfred Dietel
Partner www.steinbeis-finance.de

Alfred Dietel ist Diplom Informatiker in Theoretischer Medizin (TU München) und hält einen MBA von Chicago Booth und Manchester Business School.
Herr Dietel war bei vielen Start-ups aus den Bereichen Cleantech, IT, Medtech, Sportstech und Industrialtech Investor und initialer CEO und Investoren Direktor. Aktuell ist er Business Angel Investor und Board Member in zwei Firmen im Bereich Sportstech und Gründer einer Corporate Venture Capital Partnerschaft.

Magnus Höfer
Partner www.steinbeis-finance.de

Magnus Höfer hat Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und an der University of Illinois studiert.
Neben seiner Tätigkeit bei Steinbeis M&A ist Herr Höfer freiberuflicher Management Berater insb. für die Bereiche Pharma, MedTech und Digital Health.
Darüber hinaus fungiert er als Aufsichtsrat bzw. Advisior (u.a. Experience One AG, Orifarm A/S, TNI-Medical AG) und engagiert sich als Business Angel bei vielversprechenden Start-Ups.

Christoph Osterbrink
Partner www.steinbeis-finance.de

Christoph Osterbrink ist Diplom-Kaufmann und hat an den Universitäten Marburg und Gießen studiert. Er ist seit 2010 Partner bei Steinbeis M&A mit Fokus auf Healthcare, von 2013 bis 2019 war er zudem Interim Head of Corporate Finance bei einem führenden Krankenhausbetreiber.
Neben seiner Tätigkeit bei Steinbeis M&A, ist Herr Osterbrink Gründungspartner bei Steinbeis Consulting Centre Impact Investing, einer Beratungsgesellschaft für nachhaltige, soziale und ökologisch orientierte Unternehmen in Schwellen- und Entwicklungsländern.

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